Simmersbergmusikanten Schnett

Geschichtlicher Abriss der Simmersbergmusikanten Schnett

Am Südhang des Simmersbergs schmiegen sich die Schieferhäuser des Urlauberortes Schnett, eines der ältesten Höhensiedlungen des Thüringer Waldes, urkundlich 1410 erstmals als “tzu der Sneid“ erwähnt.

Alte Bräuche und Tradition sowie Pflege der Blasmusik und des Gesangs nahmen schon immer einen hohen Stellenwert ein.

Musikfeste und Simmersbergfeste gehören zum festen Repertoire des örtlichen Kulturlebens. Alt ist auch der Brauch des Neujahrblasens, der nur noch in wenigen Orten des Thüringer Waldes gepflegt wird. Die Ortsgeschichte des Walddorfes Schnett ist untrennbar mit der Entwicklung der Blasmusik verbunden. Bei der Ergründung des Ursprunges der Blasmusik war es recht kompliziert, historische Daten zu erforschen und zu dokumentieren.

So beinhaltet das Protokollbuch, das 1950 begonnen wurde, eine Präambel von Hugo Sausemuth

„Da durch den Krieg der Musikverein durch Verlust von Mitgliedern in Mitleidenschaft gezogen wurde und durch den Einmarsch der Besatzungstruppen frühere Protokoll- und Kassenbücher verloren gingen, muß nun der Verein neu Aufgebaut werden.“

Die Zeit nach dem 2.Weltkrieg ist also lückenlos nachvollziehbar, aber was war 70 Jahre und noch länger vorher? Es ist dennoch gelungen, durch mühselige Kleinarbeit die mündliche Überlieferung der Entstehung und Entwicklung der Blasmusik zusammen zu stellen. Berichtet wurde, daß es in den Jahren 1850-1860 Anfänge der Blasmusik gegeben hat, die jedoch keinen Bestand hatten. Als offizielles Geburtsjahr der Blaskapelle gilt das Jahr 1878 und die Gründungsmitglieder sind namentlich überliefert.

Der karge Arbeitslohn reichte kaum, um das tägliche Leben abzusichern und dann kamen noch Ausgaben für Instrumente, Noten und sonstiges. Meist mußte durch Bürgerschaften die Existenz des Vereins gesichert werden.

Als erster Dirigent, der die Ausbildung sowie die sonntäglichen Proben im Gasthaus-Simmersberg- durchführte, ist uns Herr Eduard Luther aus Heubach überliefert. Weitere junge Bürger wollten sich auf diesem Gebiet betätigen. So wurde im Jahre 1900 ein zweiter Musikverein mit dem Namen-Musikverein Waldeslust-gegründet. Die Leitung dieses Vereins lag in den Händen des Herrn Lindenlaub aus Waldau. In fast jedem Haus des Ortes waren in dieser Zeit Mitglieder der Vereine zu finden.

Nach dem Ableben des Dirigenten Eduard Luther übernahm Musikfreund Hugo Fleischhauer, der Vater des späteren Dirigenten Robert Fleischhauer, nach dem 1. Weltkrieg diese Aufgaben. Der  zweite Musikverein Waldeslust wurde in zeitlicher Reihenfolge durch die Herrn Lindenlaub, Robert Heß und Albert Beez geleitet. Durch den ersten Weltkrieg wurden enorme Lücken in beide Vereine gerissen. So weist die Statistik einen Ausfall von 27 Musikern aus und so war die Überlegung nahe, eine Vereinigung beider Vereine zu vollziehen. Das Jahr 1920 ist als Zeitpunkt der Vereinigung überliefert und die Leitung  übernahm Hugo Fleischhauer mit 24 aktiven Mitgliedern.

In der Zeit der Inflation gab es nochmals eine Absplitterung vom Verein und die Gründung der Stahlhelmkapelle mit 10 Mitgliedern. Von diesem Verein gibt es relativ wenig Information. Im Jahre 1933, der Zeit der Gleichschaltung der Vereine, erfolgt erneut der Zusammenschluß zu einer Kapelle und somit einer personellen Verstärkung. Während des 2 Weltkriegs ruhte der Spielbetrieb des Musikvereins und der Neubeginn nach dem Krieg war äußerst schwierig. Durch den Krieg verlor der Verein 14 Mitglieder.

Die ersten spärlichen Aktivitäten gehen auf das Jahr 1947 zurück und es wurde kontinuierlich  an der Stabilisierung des Vereins gearbeitet so wie es in der am Anfang erwähnten Präambel festgestellt wurde.

Anfang der 50 ger Jahre wurde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Werner Lauterbach mit fast einer kompletten Besetzung junger Musikanten der Verein personell verstärkt, die eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung des Vereins garantierte. Das erste Musikfest nach dem Krieg fand am 7 und 8 Juli 1951 statt und war dem 75 jährigen Bestehen gewidmet.

Im August 1952 verstarb nach über 50 jähriger Mitgliedschaft der langjährige Dirigent Hugo Fleischhauer. In all den Jahren hat er den Verein, mit Höhen und Tiefen, auch mit vielen Entbehrungen und Opfern, die Treue gehalten. Anschließend übernahm sein Son Robert Fleischhauer, der eine Ausbildung als Musiker absolviert hatte die Leitung. Über 35 Jahre war er der musikalische Leiter und Organisator der Kapelle und stand bei unzähligen Veranstaltungen mit eisernem Willen am Dirigentenpult. Mit der ständigen Erweiterung des FDGB- Feriendienstes in unserem Ort Ende der fünfziger Jahre konnte auch ein Aufschwung des Vereinslebens verbucht werden. Durch die kulturelle Betreuung der Feriengäste erschloß sich ein neues Aufgabengebiet für den Verein. Es wurde aber auch ständig an der personellen Verstärkung des Vereins gearbeitet, um Alters und krankheitsbedingte Ausfälle zu kompensieren.

Am 13.06.1959 wurde anläßlich des 80 jährigen Bestehens des Vereins auf dem Sportplatz am Simmersberg ein Musikfest durchgeführt. 16 Kapellen waren der Einladung zum Jubiläum und Leistungsmusizieren gefolgt. Das 85 jährige Jubiläum fand am 18-19 Juli 1964 in bekannter Weise auf dem Sportplatz statt.

Es kann festgestellt werden, das die Blaskapelle einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben des Ortes sowie der gesamten Region geleistet hat. So sind in den Jahren 1960-1990 unzählige Veranstaltungen zu politischen Ereignissen, örtlichen Höhepunkten, zur Ferienbetreuung, zu überregionalen Veranstaltungen, zu Musikfesten von befreundeten Kapellen zu verzeichnen.

Die Blaskapelle spielt auch zu privaten Feierlichkeiten und Anlässen. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen zeugen von einem hohen Leistungsniveau und Bekanntheitsgrad der Kapelle in dieser Periode.

In den Jahren 1986-1987 stand der Verein vor der Frage der Besetzung des Dirigentenpostens. Der amtierende Dirigent Robert Fleischhauer, der durch längere Krankheit ausgefallen war und durch Werner Schramm vertreten wurde, übernahm nach seiner Genesung die Leitung nicht wieder. Die Kapelle legte Werner Schramm als musikalischen Leiter fest. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit hat sich Robert Fleischhauer als Dirigent große Verdienste beim Aufbau und Fortführung der Kapelle erworben, das auch entsprechend gewürdigt wurde. Robert Fleischhauer wurde als Ehrenmitglied des Vereins bestätigt.

Trotz eifriger und vielfältiger Bemühungen der Vereinsleitung ist es in sozialistischen Zeiten nicht gelungen einen Trägerbetrieb zu finden, der in dieser Zeit die finanzielle und materielle Basis der Kulturgruppe absicherte.  So war die Blaskapelle einer der wenigen Vereine, die ohne Trägerschaft eigenständig existierte. Die ist nach der Wende positiv  zu werten, denn es war für den Verein keine große Umstellung, im Gefüge der Marktwirtschaft zu bestehen.

Inzwischen haben die Simmersbergmusikanten Schnett so nennen sich die Musiker des Vereines heute, den Ort Schnett weit über den Oberen Wald hinaus bekannt gemacht.

So waren am 5-7 Juni 1998 zum 120 jährigen Jubiläum Blasmusiker aus Thüringen und Franken der Einladung gefolgt. Beim großen Festumzug  marschierten 13 Kapellen durch das Dorf. Der ehemalige Dirigent Robert Fleischhauer war noch einmal aufs Podest gestiegen und dirigierte nahezu 300 Musiker –In Harmonie vereint-.

Heute stehen die Simmersbergmusikanten Schnett für die im Ort tief verwurzelte Blasmusik. Dem Klangkörper gehören aktive, fördernde und natürlich Ehrenmitglieder an.

Es ist eine Verpflichtung für den Verein, die kulturellen Traditionen in der Gemeinde zu pflegen und Weiterzuführen.